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Artikel: Sexuelle Übergriffe unter Jugendlichen als Frage von Macht, Geschlecht und sozialer Einbindung in Gruppen – eine qualitative Rekonstruktion

Article: Sexual violence among peers – an issue of power relation and gender. A qualitative analysis

Dieser Artikel zu Ergebnissen der Studie "Schutzprozesse - partizipative Ansätze im sozialen Umfeld (SP:PAS)", verfasst von Helfferich, Cornelia; Doll, Daniel; Feldmann, Jasmin; Kavemann, Barbara; erscheint voraussichtlich Januar 2021 in der Zeitschrift für Soziologie der Erziehung und Sozialisiation (ZSE).

Weitere Ergebnisse folgen.
 

Abstract:
Sexuelle Übergriffe und deren Verhinderung werden als ein regelhaftes soziales Geschehen unter Jugendlichen untersucht, das in Kenntnis oder im Beisein von weiteren Personen (Bystander) stattfindet. Aus 19 Episoden zu sexuellen Übergriffen auf Partys und bei Zusammentreffen von Gleichaltrigen, erzählt von weiblichen Jugendlichen, wird ein wiederkehrendes Ablaufschema herausgearbeitet: Den hartnäckigen körperlichen Übergriffen auf der einen Seite steht die Verantwortung auf der anderen Seite gegenüber, das Nicht-Wollen klar, deutlich und effektiv zu kommunizieren. Ob der Übergriff abgewendet werden kann, hängt von der relativen Macht zu handeln ab sowie davon, welche Seite ihre Deutung der Situation durchsetzen kann (Deutungsmacht) und welche Seite auf welche unterstützenden Dritten zurückgreifen kann (Organisationsmacht). Die Regeln des Ablaufs sind so eingebettet in die durch Macht und Geschlecht strukturierten Beziehungen unter den Jugendlichen. Die Episoden stammen aus 13 qualitativen Interviews, die mit weiblichen Jugendlichen (14 bis 20 Jahre) in Einrichtungen der Stationären Jugendhilfe im Rahmen des Forschungsprojekts „Schutz-Prozesse: Partizipative Ansätze im sozialen Umfeld“, gefördert vom BMBF, 2018-2020 geführt und mit einer Agency-Analyse ausgewertet wurden.


Sexual violence among young people and intervention in order to stop it are explored as events that follow implicit social rules and that happen in the presence of bystanders or bystander know about it. 19 stories of sexual violence that took place among young people in public, told by young women, revealed an underlying pattern of the ongoing interaction: the persistent urging on one side is opposed by the responsibility to communicate clear, strict and unequivocal rejection on the other side. By this, both sides are told to be involved actively. Whether ongoing sexual violence can be stopped depends on the relative power of agency, power of interpretation of the situation and the organizational power to have the support of bystander at one’s disposal on both sides. Therefore, the rules of the process of sexual violence among youth are embedded in relations among peers that are structured by power and gender. The qualitative data are semi-structured qualitative interviews with 13 young women living in residential care that were collected in the study “Processes to establish protection: Participatory Approaches in the Social Environment of Young People", funded by the Fed. Ministry of Education and Research (2018-2020).