Prävention von Reviktimisierung bei sexuell missbrauchten Jugendlichen in Fremdunterbringung

(english version)


Kooperation 
Sozialwissenschaftliches FrauenForschungsInstitut Freiburg (SoFFI F.) /
Deutsches Jugendinstitut (DJI)


Teams                               
SoFFI
: Prof. Dr. Cornelia Helfferich (Projektleitung), Prof. Dr. Barbara Kavemann, Bianca Nagel, Sabine Weber, Petra Stromberger.
DJI: Dr. Heinz Kindler, Silvia Schuermann-Ebenfeld, Stefanie Wagner, Elisabeth Kraus.

Projektlaufzeit
01.08.2014 bis 31.05.2017

Zielgruppe
Mädchen in Einrichtungen der stationären Jugendhilfe im Alter von 14 bis 18 Jahren, die im Alter von unter 14 Jahren sexuell missbraucht worden sind.

Feldphasen

Erhebungswelle t0
Qualitative Interviews und standardisierte Befragung 29.06.2015 bis 15.01.2016, n=42

Erhebungswelle t1
Sexualpädagogische Workshops für Mädchen: Bewertungsbogen. Zwischen den beiden Feldphasen konnten die Mädchen an einem sexualpädagogischen Workshop teilnehmen (t1). 11.09.2015 bis 07.04.2016; n=23 (davon 19 Interviewpartnerinnen) bei insgesamt 5 Workshops (ein Mädchen nahm an zwei Workshops teil). Es waren Mädchen aus 10 Einrichtungen einbezogen. n=22 Prä-Fragebögen und n=21 Post-Fragebögen.
Fortbildungen für Fachkräfte: Bewertungsbogen. Fachkräfte der Einrichtungen, die Interviewpartnerinnen vermittelten konnten auf Wunsch eine Fortbildung für das Team zum Thema Re-Viktimisierung erhalten. 15.10.2015 bis 16.06.2016; insgesamt 51 Teilnehmende aus 9 Einrichtungen in 5 Fortbildungen an 4 Orten. n= 41 Bewertungsbögen liegen vor.

Erhebungswelle t2
Qualitative Interviews und standardisierte Befragung 07.07.2016 bis 12.10.2016, n=26 (62% der t0-Stichprobe) Abstand zwischen den Wellen t0 und t2: zwischen 9 und 15 Monate, im Mittel 12 Monate.

Methoden
Qualitative Erhebungsverfahren, standardisierte Instrumente

  • Konzipierung und Durchführung eines sexualpädagogischen Workshops für Mädchen mitsamt Evaluation

  • Konzipierung und Durchführung einer Fortbildung für pädagogische Fachkräfte der stationären Jugendhilfe und Evaluation

  • Begleitender Praxisaustausch: Austauschtreffen mit elf Teilnehmenden aus elf Einrichtungen (vier hatten Interviewpartnerinnen Vermittelt) aus sieben Städten Leitungskräfte, pädagogische Mitarbeiter*innen, Therapeutin.

Mädchen und junge Frauen, die sexuellen Missbrauch erleben mussten, weisen im weiteren Lebensverlauf eine deutlich erhöhte Wahrscheinlichkeit auf, erneut sexuelle Übergriffe zu erfahren und zwar auch dann, wenn es zu einem von außen herbeigeführten Milieuwechsel, beispielsweise einer stationären Unterbringung in einer Einrichtung der Jugendhilfe, kommt. Hieraus ergibt sich die Frage, welche Mechanismen diesem Phänomen zugrunde liegen, wie veränderbar diese Risikomechanismen sind bzw. welche Faktoren und Angebote schützend wirken können.

Vor diesem Hintergrund verfolgte das Kooperationsprojekt im Rahmen des BMBF-Förderprogramms „Sexuelle Gewalt gegen Kinder und Jugendliche in pädagogischen Kontexten" zwei Hauptziele:
 

  • In Gruppen stationär untergebrachter Mädchen bzw. junger Frauen mit Erfahrungen sexuellen Missbrauchs und ihren Bezugspersonen sollten innerpsychische Prozesse untersucht werden, die eine spätere erneute Viktimisierung begünstigen oder unwahrscheinlicher machen. Durch die Befragung von Jugendlichen und ihrer Bezugspersonen sollte ein besseres Verständnis relevanter Schutz- und Risikoprozesse erreicht werden.
  • Es wurde ein Konzept für Workshops zur Prävention von Reviktimisierung mit interessierten Jugendlichen und Betreuungspersonen entwickelt, erprobt und evaluiert.

Die Untersuchung war als Kurzzeitlängsschnittstudie im Mixed-Methods-Design angelegt. Im Rahmen des Projekts wurden Daten zu Gefährdungs- und Missbrauchserfahrungen sowie relevanten Risiko- und Schutzprozessen im Hinblick auf Reviktimisierung erhoben. Zudem wurde ein Konzept für Präventionsworkshops, das die Entwicklung kommunikativer Fähigkeiten im Hinblick auf Sexualität und positive Beziehungen sowie einen angemessenen Selbstschutz beinhaltete, entwickelt und mit interessierten Mädchen und jungen Frauen aus der Stichprobe durchgeführt.

Ausführliche Darstellung des methodischen Vorgehens

Der Fokus des bei SoFFI durchgeführten Teilprojektes lag dabei auf der qualitativen Erhebung von Daten zu Missbrauchs- und Gefährdungserfahrungen, Deutungen sexueller Situationen (sexuelle Skripts) und Risikoverhaltensweisen.

Kontakt
Prof. Dr. Barbara Kavemann: barbara.kavemann[at]eh-freiburg.de
Prof. Dr. Cornelia Helfferich: helfferich[at]eh-freiburg.de

 

Publikationen

Im Erscheinen

Helfferich, Cornelia; Kavemann, Barbara; Kindler, Heinz; Nagel, Bianca: Differenzierte Präventionsansätze zum Schutz vor wiederholten Erfahrungen (sexueller) Gewalt in der stationären Jugendhilfe. In: Dekker, Arne; Wazlawik, Martin; Böhm, Maika (Hg.) Praxishandbuch Sexualisierte Gewalt und Pädagogik.

Helfferich, Cornelia; Kavemann, Barbara; Kindler, Heinz; Nagel, Bianca; Schürmann-Ebenfeld, Silvia (in E.) Reviktimisierung nach sexuellem Missbrauch in einer Hochrisikogruppe – Ergebnisse einer Mixed Methods Studie bei Mädchen und jungen Frauen in stationären Einrichtungen der Jugendhilfe. In: Dekker, Arne/ Henningsen, Anja/ Retkowski, Alexandra/ Voß, Heinz-Jürgen/ Wazlawik, Martin (Hrsg.) (i.E.): Sexuelle Gewalt gegen Kinder und Jugendliche in pädagogischen Kontexten – Aktuelle Forschungen und Reflexionen, Wiesbaden: Springer VS Verlag

Bereits erschienen

Kavemann, Barbara; Helfferich, Cornelia; Nagel, Bianca; Kindler, Heinz (i.E.) Re-Victimization of adolescent girls after sexual violence in childhood – a conceptual framework for prevention. In: Journal of Gender Based Violence, Policy Press, University of Bristol. ISSN 2398-6808 (print) 2398-6816 (online).

Kindler, Heinz; Helfferich, Cornelia, Kavemann, Barbara (i. E.): Missbrauch und Vertrauen – pädagogische Beziehungen bei einer hochbelasteten Gruppe in der stationären Jugendhilfe. In: Zeitschrift für Pädagogik 2/2018, Weinheim und Basel: Beltz Juventa.
 
Helfferich, Cornelia; Kavemann, Barbara; Kindler, Heinz; Nagel, Bianca; Schürmann-Ebenfeld, Silvia, Nagel, Bianca (2017): Stigma macht vulnerabel, gute Beziehungen schützen. Sexueller Missbrauch in den Entwicklungsverläufen von jugendlichen Mädchen in der stationären Jugendhilfe. In: Diskurs Kindheits- und Jugendforschung. 12 Jg., H.3, S. 261-275.

Helfferich, Cornelia; Kavemann, Barbara; Nagel, Bianca (2018). Reviktimisierung nach sexuellem Missbrauch. In Alexandra Retkowski; Angelika Treibel;  Elisabeth Tuider (Hg.) Handbuch Sexualisierte Gewalt und pädagogische  Kontexte, Beltz Juventa , Weinheim, S. 858 - 868.

Helfferich, Cornelia; Schürmann-Ebenefeld, Silvia; Kavemann, Barbara (2017):  Einmal Opfer - nie mehr Opfer? In DJI-Impulse.   Schluss mit dem Schweigen! Sexuelle Gewalt gegen Kinder ansprechen, aufarbeiten, verhindern: Wie Schulen, Heime und Vereine junge Menschen schützen können. Nr. 116, H.2; S. 25-27.

Kavemann, Barbara; Helfferich, Cornelia; Nagel, Bianca (2017) Ja bitte, aber richtig - Prävention und Sexualpädagogik für Mädchen, die sexualisierte Gewalt erlebt haben. In Betrifft Mädchen, Heft 4-2017, S. 163-169.

Helfferich, Cornelia; Kavemann, Barbara (2016) Kein Sex im Kinderheim. Prävention sexueller Gewalt in der stationären Jugendhilfe. In: Sozialmagazin, 41.Jg. Heft 7-8, S. 52-60

Kavemann, Barbara (2016) Sexualpädagogik oder Gewaltprävention? - Sexualität vor dem Hintergrund sexueller Gewalterlebnisse, Forum Gemeindepsychologie, Jg. 21 (2016), Ausgabe 1, Download hier

Kavemann, Barbara; Harthun-Palmowski, Sandra; Nagel, Bianca; Schürmann-Ebenfeld, Silvia; Wagner, Stefanie (2017) Sexualpädagogik mit Mädchen, die sexualisierte Gewalt erlebt haben? Ja, bitte! Konzept für einen zweitägigen Workshop mit jugendlichen Mädchen in Einrichtungen der stationären Jugendhilfe. Download hier

Helfferich, Cornelia; Kavemann, Barbara; Kindler, Heinz; Nagel, Bianca; Schürmann-Ebenfeld, Silvia (2017) Jugendliche Mädchen  mit einer Vorgeschichte sexuellen Missbrauchs vor erneuter Gewalt schützen: Eine Herausforderung für die stationäre Jugendhilfe. In: Das Jugendamt, Deutsches Institut für Jugendhilfe und Familienrecht, Heidelberg, S. 582-585.